Rosen&Rüben wächst... - die Jahresberichte

[1] Jahresbericht 2019

Einfach abenteuerlich!

72 Veranstaltungen in sechs Monaten: Vom Dorfflohmarkt zur Krimi-Reise, von der Eselwanderung zum Open-Air-Kindertheater, vom Sommerfest zum Stummfilmkino, von der Fahrrad-Sternfahrt zum Lichtkunstevent, von der Atelierausstellung zum Jagdhornklang am Wegesrand.

Rosen&Rüben bündelte Schätze des kulturellen Schaffen der Region in der „Kulturzeit im Hildesheimer Land“. Weil das Format im Vorjahr soviel Anklang gefunden hat, entstanden 2019 zwei Veranstaltungszyklen: Die Sommersaison (Mai bis Juli) mit 32 Veranstaltungen wurde in einem gelbleuchtenden Programmheft mit brauner Akzentuierung der Öffentlichkeit präsentiert. Das Heft der Herbstsaison (August bis Oktober) wurde invers gestaltet – in erdigen Brauntönen mit gelbem Kontrast – und versammelte insgesamt 40 Veranstaltungen. 

Mit diesem vielfältigen Programm handgemachter, atmosphärisch besonderer Veranstaltungen konnten BesucherInnen ausfliegen zu einer abenteuerlichen Reise, die schon vor der eigenen Haustür begann: Das Hildesheimer Land neu zu entdecken mit seiner Kultur und Gastfreundschaft. 

Wer hätte gedacht, dass er/sie bei einem Festival die Nacht durchtanzen oder auf dem Spreewaldkahn über die Leine fahren würde? Oder sich auf einem Dorffest auf saftig grünender Wiese zum „Almauftrieb der Zwerge“ wiederfinden würde und in Gesellschaft vieler anderer einen von 500 Gartenzwergen mit sich tragen und am rechten Fleck schön platzieren würde? Hier wurden nicht nur Gartenzwerge, sondern auch ganz viel regionaler Charme transportiert. Kein Wunder, dass die BesucherInnen zahlreich und so vielfältig waren wie die Veranstaltungen: Alt bis Jung fanden zusammen.

Einfach köstlich!

Zur „Kulturzeit im Hildesheimer Land“ gesellte sich 2019 die „Essenszeit im Hildesheimer Land“. Sie brachte regionale Kostbarkeiten auf den Tisch und versprach FeinschmeckerInnen eine kulinarische Reise durch die Region. Heimischen Produkten wird im Projekt eine Bühne geboten, denn Küchenchefs teilnehmender Restaurants verarbeiten die gleiche regionale Zutat nach ihrem Gusto zu köstlichen Gerichten. Nach drei Monaten wechselt das Lebensmittel, das von Hi-Land direkt geliefert wird. Im Herbst feierte die Essenszeit mit dem Kürbis ihren Auftakt, begleitet von einer Pressekonferenz zwischen Feld und Küche. Drei Gastronomien aus dem Hildesheimer Land nahmen 2019 am noch jungen Projekt teil, im Frühjahr 2020 sollten es schon elf sein.

Die Essenszeit ist eine Zusammenarbeit der Berufsbildenden Schulen Walter-Gropius-Schule Hildesheim, dem Netzwerk Wir Gastgeber (Ausbildungsbetriebe) und dem Netzwerk der regionalen Produzenten in der Landwirtschaft (Hi-Land e.V.). Gemeinsam wurde innerhalb des Projekts ein Speisekarteneinleger auf Deutsch und Englisch entwickelt und den GastronomInnen zur Verfügung gestellt.  Mit der „Essenszeit im Hildesheimer“ verwurzelte sich auch die Kulturmarke Rosen&Rüben. Denn das Gemeinschaftsprojekt stärkte nicht nur Leib und Seele, sondern durch auch Kultur, Gastronomie, Ausbildung und Region. 

Einfach Zucker!

Beim Kulturtreff „Unter Dampf“ im Zuckerwerk Nordstemmen konnten Vereine und Kulturschaffende der Region der Zuckerrübe auf den Zahn fühlen. Denn neben drei verschiedenen Workshops zur Fortbildung und Zeit für Austausch gab es eine Führung durch die beeindruckende Fabrik: mit einer Verkostung von Rübenschnitzeln – frisch vom Fließband. Vorträge und moderierte Gespräche mit Fabrikanten und einem hiesigen Rübenbauern schlossen die Anwesenden für die Feldfrucht neu auf. Präsentiert wurde in der Fabrik erstmals der vom Netzwerk Kultur & Heimat seit 2018 erarbeitete Ordner, der nützliche Ratschläge und Tipps für Kulturschaffende als Nachschlagwerk versammelt. 

Einfach vernetzt!

Das Netzwerk Kultur & Heimat war viel unterwegs, führte zahlreiche Gespräche mit Gastronomen, Landwirten und Touristikern, es wurden Vorträge und Präsentationen gehalten und nach und nach Kontakte zu den Verbänden und zugehörigen Organisationen aufgebaut. Ein Highlight war die Teilnahme an der internationalen Konferenz „Beyond the obvious – Culture Crops – Cultural Practices in Non-urban Territories“ in Kreuzlingen und Konstanz. Außerdem zeigte sich Rosen&Rüben auf den Hildesheimer Wallungen und dem Echt-Schaf-Fest in Betheln mit einem Infostand.  Innerhalb einer Fachvortragsreihe gab es eine Veranstaltung mit dem Titel „Kulturelle Landpartie – von einem kreativen Umgang mit einem wenig hoffnungsvollen Thema“.

Einfach wissenschaftlich!

Im November wurde eine Bachelorarbeit zu der Fragestellung „Aufbau eines regionalen Qualitätsstandards für die Individualgastronomie im Landkreis Hildesheim (Süd Niedersachsen)“ veröffentlicht, die im Zusammenhang mit Rosen&Rüben entstanden ist.

 

Innerhalb ihrer Masterarbeit führten zwei Studierende der Stiftung Universität Hildesheim die wissenschaftliche Evaluation des ersten Rosen&Rüben-Jahres anhand von Fragebögen und Einzelinterviews durch.

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[2] Jahresbericht 2018

Auf den fruchtbaren Bördeböden des Hildesheimer Landes wurde von Rosen&Rüben Kultur ausgesät. Die Saat ging auf und die Ernte war prächtig. Von Mai bis Juli erblühten 41 kulturelle Eigengewächse in 28 Ortschaften. Ob Konzert, Ausstellung, Hoffest, Wanderung, Lesung, Kochkurs, Open-Air-Kino, Markt, Fahrradtour oder Braufest – die Veranstaltungen bestachen durch ihre Vielfalt, den regionalen Charme und die liebevolle Gestaltung durch die GastgeberInnen. Kein Wunder, dass die Gäste zahlreich und alle Generationen vertreten waren. Ein Andenken begleitete die BesucherInnen nach Hause – ortseigene Postkarten, die die VeranstalterInnen über das Netzwerk drucken ließen.

Es sind nicht nur Veranstaltungen aus dem Boden gesprossen, auch ganze Wurzelgeflechte verzweigen sich nun unter der Erde. Denn Rosen&Rüben möchte zur Kulturmarke werden, die Kultur, Gastronomie, Landwirtschaft und Tourismus zusammenführt. Das Netzwerk Kultur & Heimat war deshalb viel unterwegs, knüpfte Kontakte und führte zahlreiche Gespräche mit Fachleuten, Organisationen und Verbänden. Daraus erwuchs eine Kooperation mit dem Hi-Land e.V., den regionalen Produzenten in der Hildesheimer Landwirtschaft. Gemeinsam präsentierten sich beide Netzwerke auf der Erlebnis- und Einkaufsmesse Infa regional in Hannover. Außerdem reisten sie zum Weltkongress für AgriTourismus nach Bozen, wo sie ihre Idee präsentierten, mit Kultur eine Tourismus-Entwicklung anzustoßen.

Im Rosen&Rüben-Programmheft „Kulturzeit im Hildesheimer Land“ wurden Gastronomien vorgestellt, die lokale Erzeugnisse verwenden. Um dies weiterhin zu vertiefen, wird mit MeisterInnen der Kochkunst und wissenschaftlicher Unterstützung eine Auszeichnung erarbeitet: Für Gastronomien, die sich aktiv am Ausbau einer Nachhaltigkeitskultur beteiligen, eigeninitiativ die regionale Idee weiter fördern und für schönes Ambiente sorgen. 

Die Fachvorträge „Von der Wurzel zur Blüte - Entwicklung des Kulturtourismus im ländlichen Raum (...)“ und „Kulturtourismus – Chancen für Stadt- und Regionalentwicklung“ gaben neue Impulse für den Bereich Tourismus. Rosen&Rüben initiierte zudem das Fortbildungsangebot „Unter Dampf“, das Kulturschaffenden Strategien an die Hand gab, ihre eigenen Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Weiterführend wird derzeit eine Handreichung erarbeitet, die gleichermaßen als Nachschlagewerk dient wie als Lose-Blatt-Sammlung mit einzelnen Tutorials und in jedem Jahr ergänzt wird um neue Ratschläge und sinnvolle Tipps.

Vom Wurzelstrang zum Wurzelgeflecht, vom Keimling zur Blüte – alles wächst, dehnt sich aus, will ans Licht. Der Ausblick ist malerisch: Auf Radwegen kann man die Region erforschen, originelle kulturelle Angebote im ländlichen wie im städtischen Raum entdecken, sich die regionale Küche munden lassen und vielleicht sogar zur Nacht in einer Herberge einkehren... Das Hildesheimer Land wird zum Erlebnis! Eine Region, in der man gerne lebt und zu Gast ist.